Vor Weihnachten hatte Mariechens Vater Geburtstag, da bekam er immer einen Priem (Kautabak) und eine Zigarre. Den Adventskranz kannte man damals nicht, aber es leuchtete immer eine Kerze. Mariechen musste zu den Leuten die Plättwäsche bringen, da bekam sie immer viele Plätzchen, Kuchen und Stuten. Überhaupt beim Müller Gohrbandt. Die Mühle war weit draussen, aber es machte ihr nichts aus, auch wenn der Schnee noch so hoch lag. Selma wartete schon, sie zog Mariechen die Schuhe aus und wärmte ihre Füsse. Dann bekam Mariechen heissen Kakao und Stuten mit Butter und Marmelade. Daraufhin packte Selma Mariechens Korb voll süsser Sachen.

Bei Langes zu Hause gab es zu Weihnachten nur eine Sorte Gebäcksel. Mariechen musste den Teig zum Bäcker Granzow bringen und gegen Abend holte sie mit ihrem kleinen Bruder Fritz die Plätzchen ab. Natürlich haben sie auf dem Rückweg genascht, obwohl das streng verboten war.

Als Schuhmacher hatte der Papa vor Weihnachten viel Arbeit und die Kinder mussten bitten und betteln, dass der Baum zur rechten Zeit in die Rutsche aufgestellt wird. Die Rutsche war eine runde Bank mit drei Füssen und in der Mitte ein Loch. Als die Kinder in die Kirche mussten, war der Baum immer noch nicht fertig. Die grösseren Kinder mussten auf der Empore singen und Hauptlehrer Geitner spielte die Orgel. Als alle aus der Kirche kamen, war tatsächlich der Baum geschmückt und der Weihnachtsmann war auch schon da gewesen. Damals gab es Teddybären, kleine Puppen, frisch angezogen, und jeder bekam nur ein Schlittschuh. Dazu einen Weihnachtsteller mit Gebäcksel, Pfefferkuchen und jeder eine Apfelsine : Orangen waren zu der Zeit knapp und sehr teuer. Nach der Bescherung, bei der alle Weihnachtslieder gesungen wurden, gab es dann das gute Abendbrot mit Spickgans, Gänseflum und der guten Wurst von Schwester Gerda, die Fleischmamsell (=Verkäuferin) bei Demskis in Rügenwalde in der Lehre war.

Heiligabend_in_Pommern_1882

Am 1. Feiertag versammelten sich die Kinder und gingen zu Verwandten und Bekannten Weihnachtslieder singen. Sie kannten sehr viele Weihnachtslieder und waren trotz der vielen Pfützen, die ihre Schneeschuhe hinterliessen, gerne gesehen, bekamen als Dank je einen Apfel und Gebäcksel.

Sylvester kam die Aschenmutter. Sie war jemand, die man als 'Nachhut des Weihnachtsmannes' bezeichnen könnte, hatte die Aufgabe, den Kindern Achtung vor den zu Weihnachten erhalten Geschenken einzuflössen. Sie kontrollierte, ob die Kinder auch sorgsam und vorsichtig umgegangen waren. Sonst bestand das Risiko, dass sie die Geschenke wieder mitnahm. Die Kinder sangen noch zum Spass : "o danneboom, o fichtezopf, Du bist e richtig ull Quasselkopp !".

Quelle : aus dem Erinnerungsbuch meiner Oma Mariechen geb. LANGE

Zum Thema 'Aschenmutter' (polnisch 'Baba') berichtet eine polnische Internetseite, dass es in bestimmten Gegenden Pommerns in der Neujahrsnacht einen alten Brauch gab : ein als Frau verkleiderter junger Mann ging mit einem Aschenbeutel herum und überprüfte, ob die Kinder auch artich Gebete sagen konnten. Unartige Kinder bekamen den Aschenbeutel um die Ohren, oder es wurde ihnen die Asche in die Augen gestreut.