Dienstags kam der Fischer MILAN aus Rügenwalde nach Schlawin. Er hatte zwei kleine Ponys vor seinen Wagen gespannt und rief 'Holt Fisch' und klopfte sich den Körper mit beiden Händen, um sich aufzuwärmen. Da holte man sich Flundern und Sprotten.

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Des öfteren kamen auch die Fischermädchen vom Buckower See auf ihren Fahrrädern. Sie trugen die Kiepen auf dem Rücken, hatten meistens Plötze, die viele Schuppen hatten. Die Fische wurden vor Ort gleich sauber gemacht.

Quelle : Erinnerungsbuch meiner Oma Mariechen geb. LANGE

In einer alten Pommerschen Zeitung habe ich ein Artikel gefunden über den Fischfang als Gemeinschaftsarbeit in Neuwasser :

"Wenn mit Zuggarn gefischt wurde, egal ob im offenen Wasser oder unter dem Eis, dann brauchte man daeu viele Helfer. Aus diesem Grunde taten sich mehrere Familien zusammen, die dann die Arbeitskräfte stellten. Meistens waren es Verwandte. Die Männer, zu denen auch mein Vater und sein Bruder gehörten, brachten den Fang zu Onkel Albert GERTH, der auch dazugehörte und dicht am Buckower See wohnte. Damit war das Tageswerk der Männer vollbracht, und sie konnten nach Hause gehen.

Fischer_in_Neuwasser

Dann traten die Frauen in Aktion. Sie gingen mit ihren "Lischen" - so hiessen die geflochtenen Körbe aus abgeschälten Weidenruten - zum Fischverteilen; das war für einen Aussenstehenden immer interessant. Die Edelfische, wie Hecht, Barch, Zander, auch grosse Bleie, wurden in ungefähr gleiche Grössen in vier Haufen verteilt, für jede Familie einen. Eine Frau musste sich umdrehen, und eine andere fragte : "Wer soll diese Fische haben ?". Die Antwort wurde von allen akzeptiert.

Die kleinen Fische, PLötzen, Plieten, Kaulbarsch und was sonst noch gefangen wurde, wurde schüsselweise geteilt. Dazu banden sich die Frauen ihre "Achterschürze" um. Dabei handelte es sich um eine halbe Schürze, die hinten umgebunden wurde, damit die Kleider nicht beschmutzt wurden, wenn aus der "Lische" Wasse herauskleckerte. Die Lische wurde mit einem Tragnetz auf dem Rücken getragen. Es bestand aus einem alten, starken, zusammengedrehten Fischernetz, und man musste es auch verstehen, es richtig anzulegen.

Am nächsten Morgen, ganz früh, fuhren die Frauen mit Fahrrädern, auf denen hinten die Lischen befestigt waren, zum Fischeverkaufen. Die besseren Fische wurden in Rügenwalde verkauft. Da hatte so jeder seine Stellen bei Geschäftsleuten, die diese kauften. Mit den kleinen Fischen fuhren meine Schwester und meine Cousine nach Schlawe. Das waren 14 Kilometer; sie waren um acht Uhr dort. Ausserdem hatte jede Fischersfrau "ihr" Dorf, und keine kam der anderen ins Gehege. Auch hatten die Frauen, die in der Stadt verkauften, "ihren" Kaufmann, wo Kaffee getrunken wurde. Damals war es noch so, dass die grösseren "Kolonialwarengeschäfte" eine Bier- und Kaffestube und ausserdem eine Ausspannung für Pferde hatten. Man zahlte 10 Pfenning für Brötchen, 10 Pfenning für Kaffee und 10 Pfenning fürs Küchenmädchen. Ein tolles Geschäft ! Mittags waren die Frauen dann wieder zu Hause, und abends ging das gleiche von vorn los, bis die Woche um war.

Am Sonntagnachmittag begaben sich die vier Frauen zu "Onkel Albert am See", so sagte man zum "Geldteilen", denn ganz genau konnten die Fische ja nicht verteilt werden. Das Geld wurde auf den Tisch geschüttelt und redlich geteilt. Alle hatten das Kaffeetrinkgeld abgezogen. Und da denke ich heute, wieviel Ehrlichkeit und Vertrauen doch damals zwischen den Menschen herrschte. Niemand wäre mit einem Gedanken darauf gekommen, dass man auch betrügen könnte. Es war ein schweres Leben für die Frauen, aber sie sagten, früher, als es noch keine Strassen und Fahrräder gab, sei es noch schwerer gewesen, denn damals mussten sie die ganz Strecke ihre Fische tragen. Auf dem Rückweg hätten einige Frauen beim Gehen Strümpfe gestrickt. Einmal soll sagar ein Kind unterwegs geboren worden sein. Meine Mutter sagte, sie habe es besser gehabt, weil sie Pferd und Wagen besassen."

Quelle : die Pommersche Zeitung (Nr. unbekannt), Text von Olga KLIMCZYK geb. BOJE